Kosten & Nutzen

Neben kurzfristigen Einsparungen hat Gebäudeautomation auch langfristige Vorteile. Wir zeigen, worauf Sie bei der Kosten-Nutzen-Abwägung achten sollten und welche alternativen Finanzierungsmodelle Ihnen zur Verfügung stehen.

Wann lohnt sich der Einsatz von Gebäudeautomation?

Eine Kosten-Nutzen-Analyse für den Einsatz von Gebäudeautomation muss neben den direkten Investitionskosten auch die Kosten für den Betrieb und der Erhalt der Technik umfassen. Dies können z.B. Service- und Dienstleistungsverträge für Wartung und Instandhaltung der Technik, eigene Personalkosten für den Betrieb oder Ersatzinvestitionen sein. Eine solche Kostenanalyse kann durch die Einholung und Bewertung von Angeboten sowie die Analyse von vergleichbaren Vorhaben in der Branche erfolgen. Hierfür kann der Kontakt zu Verbänden und Netzwerken mit gleichgesinnten Unternehmen hilfreich sein.

Komplexer ist die Abschätzung des Nutzens der Technik, da er sowohl von kurzfristigen als auch von mittel- bis langfristigen Effekten abhängt. Folgende Beispiele verdeutlichen dies:

  • Kurzfristige Nutzeneffekte (< 5 Jahre):
    
Kurzfristig schafft der Einsatz von Gebäudeautomation Transparenz über den aktuellen und verursachergenauen Energieverbrauch in Gebäuden. Das Energiemanagement führt zudem zu Einsparungen bei Heizenergie und in der Warmwassererzeugung und damit zu einer Verringerung der Betriebskosten. Durch die effizientere Wärmeversorgung wird zusätzlich eine gute Ausgangsposition für die Sanierungsplanung geschaffen. Der Umfang von weiteren geplanten Sanierungsmaßnahmen (z.B. Auslegung von Wärmedämmung oder Wärmpumpen) kann damit besser abgeschätzt werden. Im Rahmen einer Energieberatung kann Gebäudeautomation zudem als Modernisierungsmaßnahme innerhalb eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) beitragen.
  • Mittel- bis langfristige Nutzeneffekte (5 bis 15 Jahre):
    Mittel- bis langfristig ermöglicht der Einsatz von Gebäudeautomation ein umfassendes Energiemanagement von Wärme und Strom im Gebäudebestand. Dabei können verschiedene Optimierungsziele (Kostenminderung, Emissionsreduktion, etc.) verfolgt werden. Beispielsweise kann eine Eigenversorgung mit Energie aus Photovoltaik und Wärmepumpen das Ziel sein. Möglich ist auch, eigeneerzeugten Strom in Wärme (Power-to-heat) umzuwandeln oder für die Ladung von Elektromobilen zu nutzen. Bei schwankenden Energiepreisen, kann Strom aus der Eigenerzeugung gegen Vergütung in das öffentliche Netz eingespeist werden. Durch den Einsatz von Gebäudeautomation können zudem Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten effizienter durchgeführt werden. Durch das Monitoring von Anlagen können Fehlfunktionen und Ausfälle von Technik frühzeitig erkannt und schneller behoben werden. Ist z.B. eine Pumpe oder ein Stellventil defekt, so kann diese Information über die Gebäudeautomation erfasst und als Reparaturauftrag an die Haustechnik oder eine Firma versendet werden.

Mittelfristiger Nutzen übersteigt kurzfristige Einspareffekte

Der mittel- bis langfristige Nutzen von Gebäudeautomation ist deutlich umfangreicher als die kurzfristigen Einspareffekte in der Wärme- und Warmwassererzeugung. Zum einen wird der Einspareffekt größer je stärker die Energiepreise ansteigen. Denn, da die CO2-Abgaben auf fossile Brennstoffe in den nächsten Jahren wachsen, werden auch die Kosteneinsparungen höher.

Zum andern werden die CO2-Emissionen von Gebäuden und Gebäudebeständen zukünftig für die Bewertung von Wohnungsunternehmen genutzt, z.B. in Verhandlungen mit Gesellschaftern, Investoren und Banken. Diese bewerten, die mit einer Geldanlage oder Kreditvergabe verbunden Risiken anhand von ESG-Kriterien*.

Ein entscheidender Vorteil des Einsatzes von Gebäudeautomation ist, dass das Wohnungsunternehmen damit nachweisen kann, dass es Klimaschutzmaßnahmen umsetzt, z.B. in dem es Reduktionsziele für CO2-Emissionen und Energieeinsparungen vorgibt und diese nachverfolgt.

„Ohne große Investitionen kann man bestehende Heizungsanlagen so optimieren, dass sie effizient laufen, bis sie ihre Lebensdauer erreicht haben.“ (G. Ohland, Smart Home Initiative Deutschland e.V)

Das Nutzer-Investor-Dilemma

Eine Herausforderung stellt die kurz- bis mittelfristige Refinanzierung von Investitionen in Gebäudeautomation dar, denn für die Technik gilt das Nutzer-Investor-Dilemma. D. h. der Vermieter muss in die Effizienztechnik investieren, während die Mieter vom Effekt der Energieeinsparung profitieren. Gleichzeit kann der Vermieter die Investitionen nur bedingt auf die Miete umlegen. Von diesem Effekt ist nicht allein Gebäudeautomation betroffen, sondern alle Effizienzansätze in Gebäuden (z.B. Dämmung, Austausch von Fenster, Modernisierung von Heiztechnik).

Durch Politik und Gesetzgeber werden zahlreiche Vorschläge zur Überwindung des Nutzer-Investor-Dilemmas (z.B. eine erweiterte und zweckgebunden Modernisierungsumlage, eine Warmmietenmodelle, Steuererleichterungen oder eine gezielte Förderung von Techniken) diskutiert. Mit einer schnellen Lösung ist jedoch nicht zu rechnen. Ein positives Signal ist, dass Gebäudeautomation im neuen Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) als Maßnahme zur Effizienzsteigerung genannt wird. Der Beitrag den die Technik zur Energieeffizienz und Klimaneutralität von Gebäuden leisten kann, ist damit in das Bewusstsein von Politik und Gesetzgebung gerückt. Dies zeigt sich auch an verbesserten Fördermöglichkeiten für die Technik.

* ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance = Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien) sind die Grundlage für Investitionsentscheidungen und haben sich in der Finanzbranche als Standard zur Bewertung nachhaltiger Geldanlagen etabliert (siehe KfW: Integration von ESG-Kriterien).

Welche Finanzierungsmodelle gibt es?

Gebäudeautomation muss wie andere Klimaschutzmaßnahmen nicht unbedingt aus eigener Tasche bezahlt werden. Grundsätzlich kommen drei Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht:

Eigenkapital

Für Wohnungsunternehmen mit finanziellen Reserven ist die Finanzierung aus Eigenkapital die einfachste Möglichkeit. Die Vorteile liegen auf der Hand: Keine aufwändigen Antragsverfahren und vollständige Kontrolle bei der Auswahl der Maßnahmen.

Kredite & Förderung

Programme der KfW ermöglichen auch kleineren Wohnungs­unternehmen die Investition in Gebäudeautomation. Dazu zählen Förderungen, Kredite mit niedrigen Zinssätzen und Tilgungszuschüssen – z.B. durch das Programm Bundesförderung für effiziente Gebäude

Contracting

Das Mittel der Wahl für Unternehmen mit wenig Personal: Ein Anbieter übernimmt für Sie die Planung, Durchführung und Wartung der vereinbarten Maßnahmen. Dafür fließen die erreichten Einsparungen teilweise an den Anbieter zurück.

„Es gibt interessante Ideen für die Finanzierung der energetischen Sanierung: zum Beispiel Triple-Modelle, wobei Vermieter, Mieter und der Staat gemeinsam die Lasten tragen oder auch Teilwarmmietlösungen.“ (M. Zumbusch, Berliner Energieagentur)

Checkliste Kosten-Nutzen-Berechnung

  • Listen Sie Kosten und Nutzen verschiedener Gebäudeautomationslösungen in einer Tabelle auf. Schätzen Sie, wenn möglich, neben den einmaligen und direkten Investitionskosten pro Quadratmeter auch indirekte jährliche Kosten für den Betrieb und den Erhalt der Technik. Typische Kosten sind: Service- und Wartungskosten, eigene Personalkosten für Betreuung der Technik und der Mieter und Kosten für Ersatzinvestitionen nach 5 oder 10 Jahren. Typische Nutzen sind: Energieeinsparungen und reduzierte Betriebs- bzw. Nebenkosten, verbesserter Wohnkomfort, Transparenz über Energieverbräuche und Emissionen, leichterer Zugang zu Förderung und Finanzierung und die gezieltere Anlagensteuerung und -wartung.
  • Ergänzen Sie Informationen zur Erweiterbarkeit und Kompatibilität der jeweiligen Techniken, zum Beispiel durch die Einbindung von Smart Metern, PV-Anlagen und einem Lademanagement für Elektromobile. Prüfen Sie die, ob die jeweilige Technik offene Datenformate und -Schnittstellen wie das Open Metering System oder OpenTherm unterstützt.
  • Ergänzen Sie Herstellerangaben zu Lebensdauer für Technik und Softwarelösungen.
  • Ergänzen Sie, ob die verschiedenen Techniken und Softwarelösungen den Schutz sensibler (z.B. personenbezogener) Daten gewährleisten.
  • Ergänzen Sie, wenn möglich, die Energieeffizienzklassen nach DIN EN 15232-1.
  • Bedenken Sie bei der Investitionsrechnung verschiedene Finanzierungsvarianten. Dazu zählen unter anderem Contracting- oder Betreibermodelle.